Gemeindefest 2017  
     
     
   
 
 
 
 

 

Predigt vom Gottesdienst am Gemeindefest:

 

Klartext reden, -

 

wo soll man da anfangen, wo aufhören? Bei denen da oben, auf die wir so gerne schimpfen – zu Recht; zu Unrecht! Verstehen die da oben eigentlich noch, was wir hier unten brauchen und wollen? Sind die nicht so weit abgehoben und so weit weg von uns, dass die uns gar nicht mehr verstehen? Wer von denen da oben würde mit 800 Euro im Monat klar kommen – Miete, Heizung, Wasser, Strom, Essen und Trinken.

 

Wie viele besitzen so viel wie der ganze Rest der Weltbevölkerung zusammen – reichen meine beiden Hände dafür? Wie viele kleine Kinder sterben jeden Tag auf unserer Erde an Hunger und Krankheiten – alle 30 Sek. eines!  Während unseres ¾ stündigen Gottesdienstes heute Mittag sterben 90 Kinder auf dieser Welt! Mein großer Lehrer Wolfgang Huber nannte das einmal „Hungerkrieg“  und er hat recht!

 

Wie viele Autos wollen wir eigentlich noch bauen und weltweit verkaufen, damit es uns gut geht und das Klima noch ein bisschen schneller krepiert? Wie viele Jahre will die Welt ihren Strom noch immer mit Kernkraft erzeugen, ohne zu wissen wo der Dreck eigentlich hin soll. Wir hinterlassen unseren Kindern eine strahlende Zukunft!

 

Wann werden wir endlich mal anfangen Kasernen einzurichten in denen man Frieden lernt? Wie viel Einfallslosigkeit gehört eigentlich noch dazu immer wieder nur „Böses mit Bösem“ zu vergelten? Wie lange sollen Industrien noch am gewaltsamen Tod von Menschen verdienen dürfen. Wie abartig ist es eigentlich, dass ganze Industrien wieder und wieder daran arbeiten so effizient und billig wie möglich, Menschen umzubringen?

 

Soll ich aufhören oder fortfahren? – Nein, ich komme nun mal zu uns! Denn es ist ja so einfach über die anderen, die da oben, die da in Berlin, Washington oder Moskau zu reden. Was aber ist mit uns?

 

Wir sind die reichste Generation die es je gab! Unter uns werden im Augenblick Vermögenswerte vererbt, wie das noch nie der Fall war! Und doch sind wir nicht glücklich!

 

Wir haben seit 70 Jahren Frieden – und die Freiheit noch dazu! Noch nie hat das eine Gesellschaft erlebt. Und doch sind wir nicht zufrieden!

 

Wir sind eine der höchst entwickelten Gesellschaften in der Welt. Wir haben ein Gesundheitswesen, dass keine Wunder vollbringen kann, aber uns doch im Schnitt ziemlich lange am Leben hält und sogar noch bezahlbar ist. Und doch sind wir nur am jammer

 

Wir haben die schönsten Kirchen und Gemeindehäuser Landauf, Landab – und keiner geht rein!

Als der Putz in den Kirchen noch von den Wänden viel und ein Loch im Dach war, wo es durchregnete –waren die Kirchen voller. Und als noch auf den abgeernteten Feldern Menschen hinterherliefen um noch ein paar Körner einzusammeln oder ein paar Kartoffelklicker zu ergattern – da waren wir dankbarer. Und als ich in den viel zu großen Schuhen meines älteren Bruders groß wurde, da wurde Zeitungspapier vorne reingesteckt und ich war stolz dass ich sie tragen durfte.

 

Was ist los mit uns? – Ich frage nicht, was ist los bei uns? – Sondern ich frage was ist los mit uns? Denn wir sind es doch, die das alles machen, oder es geschehen lassen, oder noch befördern!

Es scheint uns so gut zu gehen, dass wir den lieben Gott nicht mehr brauchen! Der hat eigentlich keinen Platz mehr in unserer Erfolgsstory. Der redet uns durch den Mund der Pfaffen doch nur etwas ein, was es gar nicht gibt! Wir leben auch ohne den alten Mann ganz gut – und ein schlechtes Gewissen lassen wir uns auch nicht mehr machen!

Freiheit! – Ja, das ist gut. Damit jeder Tun und Lassen kann, was er will! Und dann kommen die Theologen gleich wieder an und die Philosophen und Politiker hängen sich mit drauf: Freiheit gibt es nicht ohne Verantwortung! Ba! Da hastes schon wieder! Alles kaputt machen!

 

Ich hab keine Lust zu Verantwortung. Ich will mein Leben leben! Mein Leben geht dich gar nix an!

Ich mach, was ich will, damit es mir gut geht. Gut meiner Familie will ich auch nur das Beste. Aber dann is Schluss! Was geht mich mein Nachbar Otto an. Soll er doch sehen, wie er klar kommt. Mir hilft auch keiner. Will ich auch gar nicht!

 

Und dann diese Ausländer, die uns doch nur unsere Arbeit wegnehmen und unser Brot essen. Die kriegen doch alles – vorne und hinten. Und für uns Deutsche is dann nix mehr da. „Wir sind das Volk!“ Jawohl!

 

Und das die Kirchen sich noch auf deren Seite stellen, das is doch das allerletzte. Sind doch alles Muselmänner. Sollen wieder hingehen wo sie hergekommen sind. Ich hab sie nicht eingeladen in unser Land. Armes Christentum! Ich geh zwar nicht in die Kirche und glaub auch an nix – aber das muss ja mal gesagt werden. Das is der Untergang des Abendlandes.

 

Der Untergang des christlichen Abendlandes droht tatsächlich – allerdings nicht wegen den Muslimen. Der droht deshalb, weil wir unsere christliche Identität vor die Hunde gehen lassen. Der droht, weil wir als christlich geprägte Nation nicht mehr wissen was mit Ostern, Pfingsten und Weihnachten ist. Mancher Moslem kann uns das sagen, was wir Christen da feiern! O wie peinlich!

 

Was ist los mit uns? – Warum schonen wir unsere Kirchen so? Sagt uns das wirklich alles nichts mehr? Oder wollen wir einfach nix hören, was unser selbstgemachtes Patchwork Weltbild stören könnte? Die Geschichte lehrt uns, dass Völker, bei denen die Religion sich im  Niedergang befand, kurz darauf selbst untergegangen sind!  Kein Volk kann ohne Religion leben! Wir brauchen Antworten auf die zentralen Fragen unseres Lebens, können diese uns aber nicht selber geben!

Wir brauchen sinnstiftende Werte die weiter reichen als: Hauptsache ich! Wir brauchen die Verantwortung für den Mitmenschen, damit wir nicht zum Unmenschen werden!  Und wir brauchen Trost und Orientierung, damit wir nicht in den gesellschaftlichen Burn-out abgleiten!

 

Nun sage ich das im 500 Jahr der Reformation Euch, die ihr ja noch hier herkommt, regelmäßig, ab und zu, eher selten –aber immerhin! Aber wie kriegen wir das denn hinaus – unters Volk! Wie kommt es zu denen, die nicht hierher kommen. Die uns auch längst abgeschrieben haben. Viele Antworten sind denkbar, einfache und komplizierte, pragmatische oder total vergeistigte. Aber warum schauen wir nicht in unser heilige Buch. Warum lesen wir nicht einfach nach, was Jesus uns dazu gesagt hat. Und er hat etwas dazu gesagt!

 

Ihr seid das Salz der Erde – hat er gesagt! Und noch was: Ihr seid das Licht der Welt!

Einfach, pragmatisch, lebensnah! Wir sind gefragt, jede und jeder einzelne von uns! Wenn das Salz schal wird, fährt Jesus fort – womit soll man salzen! Ja, du schale Christenheit – was ist los mit dir?

Warum zündet ihr eigentlich abends ein Licht an, wenn ihrs doch unter einen Scheffel stellt – vielleicht aus Sorge, die Leute könnten es sehen! – Aber die Leute sollen es ja sehen, sie sollen an Euch ja ablesen können was das Evangelium uns sagen will – auch 2017.

 

„Es gilt ein frei Geständnis, in dieser unsrer Zeit. Ein offenes Bekenntnis, trotz allem Widerstreit!“ So singen wir hin und wieder im Gottesdienst und glauben: das ist finsteres Mittelalter! Wirklich?

Die Reformatoren haben uns das Tor zur Freiheit aufgestoßen – sie haben uns aber auch die Verantwortung übertragen die Freiheit verantwortlich zu leben! Den Mund aufzumachen, wenn christliche Werte mit  Füßen getreten werden, ganz egal wo! Die Stimme zu erheben, wenn Menschenrechte niedergeknüppelt werden, ganz egal wo! Zu schreien wie Christus am Kreuz, über das Elend verhungernder Kinder, über das Ersaufen von Menschen im Mittelmeer, über die Brutalität eines sogenannten IS.

 

Sie haben uns auch die Freiheit übertragen zur Gestaltung unserer Gemeinden in Dekanaten und Propsteien. Den Gemeinden wurde sie übertragen, nicht den Kirchenfürsten. Nur die Gemeinden können bestimmen, wohin die Reise in neuen Strukturen gehen soll. Und ihre Entscheidung ist zu respektieren.

 

Allerdings müssen auch die Gemeinden Wege für sich und ihre Zukunft formulieren. Sie müssen entscheiden, was für sie wichtig ist. Das kann so weit gehen, das man die Frage stellen muss: ist der schlechte Gottesdienstbesuch die Antwort auf die Frage, was Euch die einstige Zentralveranstaltung heute noch Wert ist?

 

Die Axt ist an die Wurzel gelegt! Noch nimmt sie keiner und schlägt zu. Aber wir sind nicht mehr weit davon entfernt!

 

Ihr seid das Salz der Erde; ihr seid das Licht der Welt! Das ist kein Grund zum Erschrecken, das sind Ehrentitel! Albert Schweitzer hat es so formuliert wie es mir immer zur Aufgabe wurde: „Und sollte alles fallen, das eine bleibt, dass wir arme, schwache Menschen Jesu Werk fortsetzen dürfen und dadurch unser Leben, Sinnen und Trachten und all unser Tun geheiligt wird. Ist das nicht genug, übergenug zur wahren Freude, zur wahren Seligkeit, zum Frieden?“

 

Deshalb sind 500 Jahre Reformation ein Grund zur Hoffnung: „Und sollte morgen die Welt untergehen, noch heute würde ich ein Apfelbäumchen pflanzen!“ Lassen wirs geschehen!

 

Amen.

 

Pfarrer Jürgen Rump, Ober-Mörlen


 

 
 

Gemeindefest 2016 Nachbetrachtung

 

Der Himmel weinte, aber nur ein bisschen! Als am Morgen aufgebaut wurde, regnete es in Strömen. So mussten wir uns entschließen, im Außenbereich nur eine paar wenige Bänke aufzubauen. Das Gemeindefest muss wohl dieses Jahr im Haus stattfinden. Pfarrer Rump schickte dann, nach getaner Aufbauarbeit, alle seine lieben Helfer nach Hause zum Beten! Und es wurde heller und heller und gegen Mittag kam sogar die Sonne hervor! Alle Wolken zogen um Ober-Mörlen herum. Dass es hier und da auch mal ein Wölkchen mit Inkontinenz gab – na ja. Die Bauern wird’s freuen und uns hat es nicht wirklich geschadet.

 

Nach dem Eröffnungsgottesdienst mit Sketch von Michael Bader und Susanne Rump, ging es hinüber ins Gemeindehaus zu Kaffee und Kuchen. Immer mehr trauten sich aber auch raus in die frische Luft.

Das wie immer gut gefüllte Kuchenbuffet, der Cocktailstand vom  Ökumenekreis, das Olivenöl aus Riesi – alles erfreute sich lebhafter Nachfrage. Die Kinder bastelten mit Moritz von Gilsa im Obergeschoss tolle Blumentöpfe, erfreuten sich am Kicker und anderen Spielen.

 

Um 16.15 Uhr eröffnete Pfarrer Rump das Konzert von „Celebrate“ in der Gustav-Adolf-Kirche. In gewohnt beschwingter Weise klangen die Spirituals und Gospels durch die Kirche und brachten die Zuhörer zum Mitklatschen. Gottes Lob auf moderne und begeisternde Art und Weise!

 

Durch die offenen Fenster der Kirche zog schon der Duft von Bratwurst und Grillsteaks. Das Grill-Dream-Team hatte schon eingeheizt, so dass bald die ersten Schlangen am Stand angekommen waren. Wie immer schmeckte es vorzüglich, so dass schon bald Gesichter zum zweiten Mal am Grill erschienen!

 

Der Kirchenvorstand konnte in ökumenischer Verbundenheit Pfarrer Strojek begrüßen, für die Gemeinde war die Erste Beigeordnete Kristina Paulenz gekommen und in steter Treue Altbürgermeister Sigbert Steffens mit Frau.

 

Gegen 19.00 Uhr begann der Abbau und die letzten Gäste verließen das Gemeindefest. Aber ganz zu Ende war es noch nicht! Jedes Jahr freuen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Helferinnen und Helfer auf die letzte Stunde. Dann, wenn alles auf- und weggeräumt ist, alle Aufregung verflogen, dann gibt es im Gemeindehaus ein gemütliches Beisammensein mit Restevernichtung – in fester und in flüssiger Form. Dann aber, wenn alle fröhlich und müde sind – wenn es heißt „was war es wieder schön!“- dann geht das Licht aus und es kehrt wieder Ruhe und Frieden ins Albert-Schweitzer-Haus ein!

 

Herzlich gedankt sei allen Helferinnen und Helfern, allen Spenderinnen und Spendern von Kuchen, Kaffee, Geld oder Salaten. Ohne Eure Hilfe ginge gar nichts!
Also nochmals: Tausend Dank!